Ich bin eine
Ludwigsbürgerin
Bärbel Wasser

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Die Wegbegleiterin,
die an der Bushaltestelle wartet

Jahrgang 1975

Wohnt in der Weststadt

Ist Sonderschulpädagogin und Schulwegbegleiterin – beim „Bus auf Beinen“ in der Friedensschule

Engagiert sich dafür, dass das Elterntaxi daheim bleiben kann und Grundschüler zur Schule laufen können statt ins Auto gepackt zu werden

Ich zettel was an

Ein Jahr lang ist Bärbel Wasser jeden Morgen mit Ihrem ältesten Sohn losgezogen, um den Erstklässler zur Schule zu begleiten. Eine Viertelstunde dauert die Strecke. Sie führt durch ein Wohngebiet, ist aber trotzdem nicht ohne Gefahren: Es gibt Straßen zu überqueren und vor allem ziemlich viel Verkehr. Je näher Bärbel Wasser und ihr Sohn der Schule gekommen sind, desto mehr Autos waren unterwegs. Denn viele ABC-Schützen wurden von ihren Eltern gefahren und haben mit Wendemanövern in der Sackgasse, in der die Friedensschule liegt, für ein morgendliches Verkehrschaos gesorgt.

Es ist eine paradoxe Situation: Die Eltern, die aus Bequemlichkeit oder aus Sorge, der Weg wäre für einen Erstklässler zu gefährlich, im Auto unterwegs sind, machen den Schulweg erst Recht unsicher. Denn je dichter der Verkehr auf der Zufahrt vor der Schule, desto unübersichtlicher und gefährlicher wird es für die kleinen Fußgänger. Ein Problem, das nicht nur die Friedensschule in der Weststadt betrifft.

Dort hat es die Schulleiterin Petra Ehring 2014 allerdings nicht länger mit Appellen an die Elternschaft belassen, die wenig fruchteten. Sondern mit der Unterstützung des Agendabüros der Stadt die Initiative „Bus auf Beinen“ gestartet. Ein Projekt, bei dem Bärbel Wasser von Anfang an dabei gewesen ist. Mittlerweile profitiert ihr jüngster Sohn davon, der jetzt in die erste Klasse der Friedenschule geht. Die Idee ist so simpel wie genial: Statt alleine loszugehen, verabreden sich die Kinder zu festen Zeiten an „Bushaltestellen“, die auf dem Schulweg liegen und tatsächlich auch mit Schildern gekennzeichnet sind. Um eine festgelegte Uhrzeit läuft die Gruppe als „Bus auf Beinen“ los. Eine Mutter - manchmal auch eine Oma und ab und zu ein Vater - geht mit, übt so mit den Kindern den Schulweg ein und passt auf, dass alle sicher ankommen. Drei verschiedene „Buslinien“ gibt es, die aus verschiedenen Richtungen und über unterschiedlichen Haltestellen zur Friedensschule führen.

»Ich kann es gut verstehen, dass Eltern Angst haben, ihr Kind allein zu Fuß in die Schule zu schicken. Aber dass man eine Viertelstunde Fußweg mit dem Auto zurücklegt, dafür fehlt mir das Verständnis.«

Bärbel Wasser wirbt an der Schule für das Projekt, stellt es vor und teilt die Mütter als Wegbegleiterinnen ein. Dass nicht alle Grundschüler um 7.45 Uhr starten, sondern manche erst zur zweiten Stunde, macht die Organisation nicht einfacher. „Doch bisher hat es jedes Jahr geklappt, dass wir genügend Erwachsene gefunden haben, die einmal in der Woche mitlaufen“, erzählt Bärbel Wasser. Sie selbst ist auch nach vier Jahren gerne noch als Begleiterin dabei: „Die Kinder kommen bewegt und frisch in der Schule an und sie nehmen viel auf dem Weg wahr - ob das ein Käfer oder eine Pflanze ist. Ich freue mich auch an den Geschichten, die sie unterwegs erzählen“, erzählt die Sonderpädagogin. Sie wohnt mit ihrer Familie seit zehn Jahren in der Weststadt. „Mir liegt unsere Umwelt sehr Herzen“, sagt die dreifache Mutter, die in Ludwigsburg alle Wege mit Rad zurücklegt.

Oft genug steht sie dann sehr lange an der Ampel am Fahrradweg – und fragt sich, warum die umweltfreundlichen Verkehrsteilnehmer eigentlich keinen Vorrang haben. Auch beim Ausbau der Radwegenetzes und dem Ausbau der ÖPNV gebe es noch Luft nach oben, findet die Lehrerin, die mit der S-Bahn an ihre Schule nach Stuttgart fährt. Selbst wenn nicht alle Eltern auf das Mamataxi am Morgen verzichten, der Verkehr vor der Friedensschule ist weniger geworden – den Laufgruppen sei Dank. „Der Bus auf Beinen läuft“, lacht Bärbel Wasser.

Text: Dorothee Schöpfer

Bilder: Benjamin Stollenberg