Ich bin ein
Ludwigsbürger
Dr. Eckart Bohn

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Der Kämpfer für Mieter
und für bezahlbaren Wohnraum

Jahrgang 1943

Wohnt in der City-Ost

Ist Vorsitzender des Mieterbundes in Ludwigsburg, Kreisrat, war 33 Jahre lange SPD-Gemeinderat und hat eine Karriere als Sozialplaner im öffentlichen Dienst hinter sich

Engagiert sich dafür, dass in Ludwigsburg bezahlbare Wohnungen gebaut werden

Ich zettel was an

Es gab Zeiten, da standen in Eckart Bohns Terminkalender auch Einträge wie „Mathe erklären“, damit der Finanzexperte beim Landesarbeitsamt zwischen seinen Terminen als Gemeinderat und dem Engagement beim Mieterbund auch noch Zeit für Hausaufgabenhilfe bei Tochter und Sohn einplante. Mittlerweile drängen sich die Termine nicht mehr ganz so dicht: Der Diplom-Kaufmann mit Doktortitel ist im Ruhestand und hat nach über dreißig Jahren als SPD-Gemeinderat in Ludwigsburg 2014 nicht mehr kandidiert. Ein Schritt, der für den langjährigen Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten fällig war: „Es gibt in Ludwigsburg auch engagierte junge SPDler und denen müssen wir Älteren Platz machen.

Ganz ohne politisches Amt ist Eckart Bohn allerdings doch nicht: Er sitzt für die SPD im Kreistag und wurde dort als Ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten des Landkreises bestellt. Der Einsatz für Menschen mit Handicap hat auch viele Jahre Eckart Bohns berufliches Leben bestimmt: Er hat sich erst im Landesarbeitsamt den Aufbau von Behindertenwerkstätten vorangetrieben und deren Finanzierung geplant, und sich später als Chef der Sozialplanung beim Kommunalverband für Jugend und Soziales außerdem um die Finanzen für den Aufbau von Wohnstätten für Menschen mit Behinderung und Pflegeheimen für Senioren gekümmert.

»Man braucht einen Konsens,
wenn man etwas erreichen will.«

Parallel zu seinem beruflichen Engagement hat sich Bohn als Gemeinderat für die Entwicklung der Stadt Ludwigsburg stark gemacht – wofür sein Arbeitgeber immer Verständnis zeigte. „Das war für mich auch ein Grund, im öffentlichen Dienst zu arbeiten“, sagt Eckart Bohn. Nach einer Banklehre in seinem Heimatort Dornstetten bei Freudenstadt, dem Betriebswirtschaftstudium in Berlin und der Promotion in Hohenheim hätte er auch eine Karriere in der Wirtschaft machen können. Doch das ehrenamtliche Engagement war ihm immer wichtig. Bohns Vater, der nicht nur eine Schule, sondern auch mehrere Chöre geleitet hat und sonntags an der Orgel saß, hat es vorgelebt. „Ich habe meine Ehrenämter immer als großen Gewinn empfunden – man kann mitgestalten und lernt so viele interessante Leute kennen“, sagt Bohn.

In Dornstetten war Erhard Eppler der Nachbar der Familie, eine große Figur der SPD in Baden-Württemberg. Seitdem schlägt Bohns Herz links: „Eppler war mein Motivator.“ Eine Zeitlang hat Bohn in jungen Jahren auch für den Ludwigsburger SPD-Bundestagsabgeordneten Huonker gearbeitet und dabei gemerkt: „Die Bundespolitik ist nichts für mich, mich interessiert mehr was vor der Haustür passiert. Und Ludwigsburg ist in den letzten Jahrzehnten eine sehr attraktive Stadt geworden!“

Das Thema Wohnen hat ihn nicht nur in seiner Zeit als Gemeinderat beschäftigt. Auch als Vorstand des Mieterbunds in Ludwigsburg, den er zusammen mit sechs anderen Mitstreitern vor drei Jahrzehnten gegründet hat, kennt er die Probleme von Mietern hautnah. „Die Zahl der Beratungen wegen Eigenbedarfskündigung und Mieterhöhung sind in den letzten Jahren nach oben geschossen“, weiß der Sozialexperte. Dass Ludwigsburg ein höheres Mietniveau hat als Hamburg, das findet Eckart Bohn bedenklich. Rund 5000 Beratungen führt der Verein an insgesamt sechs Beratungsstellen in Ludwigsburg und den umliegenden Städten durch. „Den Begriff sozialen Wohnungsbau mag ich nicht, bezahlbarer Wohnraum, dass trifft es besser“, so Bohn. Dass davon in Zukunft mehr gebaut werden muss, steht für ihn außer Frage. Die Zeit der klassischen Einfamilienhäuser sei allerdings abgelaufen: „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Häuser in der Stadt wieder höher werden“, sagt der Kämpfer für Mieter und für Menschen mit Handicap.

Text: Dorothee Schöpfer

Bilder: Benjamin Stollenberg