Ich bin ein
Ludwigsbürger
Jochen Laube

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Der Filmliebhaber,
bei dem die Fäden zusammenlaufen

Jahrgang 1978

Wohnt in der City-Ost

Ist Filmproduzent, spielt mit seiner Produktionsfirma Sommerhaus in der ersten Liga des Arthouse-Kinos, hat an der Filmakademie in Ludwigsburg studiert und feuert jeden zweiten Samstag den VfB im Stadion am

Ich zettel was an

Nein, er war nicht der Junge, der ständig mit einer Super-8-Kamera in der Hand herumgelaufen ist. „Eigentlich wollte ich Lehrer werden“, sagt Jochen Laube. Es hat ein paar Umwege gebraucht, bis der Filmliebhaber, der Filme zwar gerne geschaut hat, aber nie davon geträumt hat, sie auch zu drehen, seine Berufung gefunden hat. Nach dem Zivildienst in Ludwigsburg hat er in Köln bei einer RTL-Produktion gejobbt, das hat sich so ergeben. Dann käme er ja bestimmt von der Filmakademie, wenn er aus Ludwigsburg sei, so hat man ihn damals angesprochen. „Erst in Köln bin ich drauf gekommen, mich an der Filmakademie zu bewerben und mit dem Thema Produktion zu beschäftigen“, sagt Jochen Laube. „Heute kann ich mir als Produzent wenigstens meine Lieblingsklasse selbst zusammenstellen“, lacht er.

.Jochen Laube hat einen Namen in der deutschen Kinolandschaft. Seine Firma „Sommerhaus“ –  der Name ist durchaus als Anspielung auf den Inhaber zu verstehen – steht nicht für Popcorn-Kino, sondern für Filme mit Handschrift.

Gerade läuft „In den Gängen“ an, ein Film, der für Aufsehen auf der Berlinale gesorgt hat mit Stars wie Franz Rogowski und Sandra Hüller. „Die hatte ihren Vertrag bei uns aber schon unterschrieben, bevor sie durch die Decke geschossen ist“, sagt  Laube. Ein Gespür für Talente und Geschichten gehört zu seinem Handwerk genauso wie die Fähigkeit, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu haben. „Wir arbeiten an bis zu 20 Projekten gleichzeitig, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden“, sagt Laube, der zusammen mit seinem Partner Fabian Maubach die Firma leitet. Der eigentliche Dreh ist dabei die kürzeste Phase. Davor vergehen Jahre mit der  Vorbereitung: Ein Stoff muss entwickelt werden, es geht darum Geldgeber zu finden für Drehbuch und Produktion, Regie, Kamera und Schauspieler müssen besetzt werden. „Einen Film zu produzieren, bedeutet  drei Jahre Lebenszeit zu investieren. Deshalb muss mich das Thema wirklich  interessieren und auch das Team muss stimmen“, sagt Laube.

»In der Branche bin ich bekannt als der, der geblieben ist.«

Gut organisieren zu können, das  ist für einen Produzenten wichtig, genauso wichtig ist es aber, die richtigen Leute zu kennen und mit ihnen  im Gespräch zu bleiben. Auf Filmfestivals wie in Cannes oder Berlin, aber auch in vielen Telefonaten und Treffen. Jochen Laube ist ein geübter Erzähler, der gerne Pointen setzt und Geschichten auf den Punkt bringt. Kein Wunder, das ist auch Teil seiner Arbeit, wenn er  Redakteure von Fernsehsendern oder Verantwortliche der Filmförderungen als mögliche Geldgeber überzeugen will. Für Ideen und Projekte, die er selbst entwickelt hat oder für Stoffe von Regisseuren mit denen er Filme umsetzen will, „weil sie auf die Leinwand müssen.“  Manche dieser Regisseure  kennt er seit seinem Studium und schätzt sie so sehr, dass er gerne mit ihnen alt werden würde – beruflich zumindest. Die fünf Jahre an der Filmakademie waren für den gebürtigen Ludwigsburger Laube eine Zeit wie im Internat. „Man verbringt mehr oder weniger 24 Stunden am Tag zusammen und lernt dabei, auf wen man sich verlassen kann.“

Fast alle seiner Regie- und auch Produktionskommilitonen sind sofort nach dem Studium  verschwunden und nach Berlin oder München gezogen. Nur Jochen Laube, der ist geblieben. „Natürlich habe ich irgendwann auch gedacht, ich müsse nach Berlin. Aber ich bin in Ludwigsburg willkommen und kann hier sehr gut arbeiten. Mittlerweile ist das sogar mein Alleinstellungsmerkmal in der Branche“,  sagt er und grinst. „Ich bin der, der in Ludwigsburg geblieben ist.“

Seine Treue hat auch private Gründe: In Ludwigsburg  gehen seine beiden Kinder zur Schule, - „das Mörike ist ein super Gymnasium“, findet der filmaffine Vater -,  von hier aus ist er schnell im Stuttgarter Schauspiel und bei den Heimspielen des VfB, von denen er möglichst wenige verpasst. Ganz ohne Berlin geht es mittlerweile allerdings nicht mehr: Sommerhaus Film  hat dort wie auch in München eine Zweigstelle. Die meiste Zeit aber arbeitet Jochen Laube  in seinem Büro in Ludwigsburger Bahnhofsnähe. „Ich liebe die Myliusstraße, das ist die einzige Straße hier mit Großstadtatmosphäre mit all den türkischen Händlern, Falschparkern und hupenden Autos“ feixt Laube. „Wenn ich im Sommer das Fenster offen habe und telefoniere, denken die Leute oft, ich sitze mitten im Kreuzberg.“

Text: Dorothee Schöpfer

Bilder: Benjamin Stollenberg