Ich bin eine
Ludwigsbürgerin
Ruth Österle-Glasbrenner

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Eine Patin mit Überzeugungskraft
und grünem Daumen

Jahrgang 1946

Wohnt in Pflugfelden

Ist im Ruhestand, hat als Groß- und Außenhandelskauffrau gearbeitet und liebt die Natur

Engagiert sich dafür, dass der Grünzug Pflugfelden eine Oase in der Stadt und ein Ort der Begegnung für die Anwohner bleibt.

Ich zettel was an

„Manchmal wundere ich mich selbst darüber, dass ich noch keine Wurzeln gezogen habe, so oft wie ich im Garten stehe“, sagt Ruth Österle-Glasbrenner verschmitzt. Aber sie pflegt ja nicht nur ihr Stückle vor und hinter dem Haus, sie setzt sich auch mit großer Ausdauer dafür ein, dass der Grünzug Pflugfelden in ihrer direkten Nachbarschaft gut gedeiht. Die Liebe zur Natur spürt die gebürtige Ludwigsburgerin seit Kindertagen. Umso härter hat sie es getroffen, dass direkt vor ihrer Haustür in Pflugfelden eine vierspurige Straße gebaut werden sollte. Es kam aus verschiedenen Gründen doch nicht dazu. Im Gegenteil: Statt der geplanten Trasse wurde eine Grünanlage angelegt, der Grünzug Pflugfelden, der seit 2006 die Stadt als Naherholungsgebiet bereichert. Das ehemalige Brachland wurde zur grünen Oase mit Spielwiesen und Ruhebänken. „Das ist ein solches Geschenk, darüber freue ich mich jeden Tag“, sagt Ruth Österle-Glasbrenner.

Dass dieses Geschenk weiterhin grünt und blüht, dafür engagiert sie sich seit mehr als zehn Jahren. Mit Freundlichkeit, vielen Ideen, hartnäckig und unermüdlich. Es hat damals nach der Eröffnung nicht lange gedauert, bis wieder ihre Autos in der Wiese parkten, die alten Trampelpfade wieder begangen wurden. Die Grünanlage litt und mit ihr Ruth Österle-Glasbrenner. „Aber ich wollte auch nicht Hilfssheriff spielen und die Leute mit erhobenem Zeigefinger angehen“, erinnert sie sich. Dann kam ihr die Idee mit den Patenschaften: Wenn Anwohner zu Grünzug-Paten werden, dann fühlen sie sich auch verantwortlich dafür, dass der Park nicht vermüllt oder zertrampelt wird. Sie hat die Leute angesprochen, ist von Haustür zu Haustür gezogen und hat in kurzer Zeit 23 Paten für den Grünzug gewonnen.

»Man kann nicht immer nur Einsatz von der Stadt verlangen. Man muss auch selbst etwas anbieten.«

Heute, mehr als zehn Jahre später, sind es 73. „Der jüngste ist mein Enkel“, freut sich Ruth-Österle-Glasbrenner.  Vier Patinnen und Paten sind verantwortlich, dass die Hundetütenspender immer gefüllt sind, eine andere Patin macht die Termine mit den umliegenden Kindergärten. Denn einmal im Jahr putzen die Kita-Kinder die Nistkästen aus und steigen dafür auf die Leiter: „Besser kann man Naturschutz nicht vermitteln“, ist die Grünzug-Aktivistin überzeugt. Es gibt den gemeinsamen Frühjahrsputz der Paten, sie treffen sich zur weißen Kaffeetafel unter den Trauerweiden im Park, beim Schwätzbänkle unter der Linde oder bei den bunten Wildbienen-Stämmen. Der Grünzug hat durch das Engagement der Paten viel dazugewonnen.

Jedes Projekt schlafe nach zwei Jahren wieder ein, das hat Ruth Österle-Glasbrenner öfter gehört. Von wegen. Ihr gehen die Ideen auch nach zehn Jahren nicht aus und sie lässt sich auch von Vandalismus nicht entmutigen. 2016 zog sich nach Halloween eine Spur der Verwüstung durch den Grünzug. Die Stadt hat die Schäden schnell behoben, doch damit das nicht wieder passiert, hat sie zusammen mit anderen Paten am 31. Oktober zur schwäbischen Halloween-Party in den Grünzug geladen. Sie haben Präsenz gezeigt in dieser Nacht. Mit Erfolg, in diesem Jahr ging nichts kaputt. Sie spricht auch Jugendliche an, setzt sich dafür ein, dass auch sie einen festen Treffpunkt im Grünzug bekommen mit einem Häusle und lässigen Bänken. Der Grünzug ist ein Herzensprojekt von Ruth Österle-Glasbrenner. Dass alle Ludwigsburger ihn nutzen und zu schätzen wissen, egal wie alt, dafür setzt sie sich ein.

Text: Dorothee Schöpfer

Bilder: Benjamin Stollenberg