Ich bin ein
Ludwigsbürger
Vithusan Vijayakumar

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Der Gewerkschafter
für Jugendliche

Jahrgang 1999

Wohnt in Hoheneck

Ist Student der Chemie an der Uni Stuttgart und Vorsitzender des Jugendgemeinderats in Ludwigsburg

Engagiert sich dafür, dass die Interessen von Jugendlichen im Gemeinderat Gehör finden.

Ich zettel was an

Er lacht viel und wirkt alles andere als gehetzt. Doch so gemütlich Vithusan Vijayakumar auf den ersten Blick wirkt: Er hat bislang Gas gegeben in seinem Leben. Mit fünf wurde er eingeschult, er hat eine Klasse übersprungen, mit 16 Abitur gemacht und studiert jetzt im vierten Semester Chemie. Seit einem Jahr ist er auch Vorsitzender des Jugendgemeinderats in Ludwigsburg. Die  Sitzungen und deren Vorbereitung, der Austausch mit Jugendlichen und die  Terminen in Schulen oder auf Ämtern nehmen ziemlich viel Zeit in Anspruch: „Ein Drittel studieren, ein Drittel Jugendgemeinderat, ein Drittel schlafen“, in diese Fomel könne er seine Tage packen, sagt Vithusan Vijayakumar und grinst. „Klar ist es manchmal stressig. Aber ich finde es cool,  dass wir etwas anstoßen können.“

Sich stark machen für eine Sache, das hat er schon an seiner Schule, dem Otto-Hahn-Gymnasium gemacht. Ein Lehrer hat den bei der SMV engagierten Schüler auf die Ludwigsburger Zukunftskonferenz 2015 angesprochen. Vithusan Vijayakumar ging hin und hat sich dort bei einigen Gemeinderäten erkundigt, warum es in Ludwigsburg eigentlich keinen Jugendgemeinderat gibt.  „Ach, dass will doch keiner, auch die Jugendlichen nicht“, hat er damals gehört. Vithusan Vijayakumar sah das anders – und hat allein an seiner Schule 500 Stimmen gesammelt.

»Wir Jugendlichen sind keine einheitliche Masse, das denken die Erwachsenen manchmal. Wir sind so vielfältig wie es ganz Ludwigsburg ist.«

Seit 2017 gibt es den Jugendgemeinderat in Ludwigsburg, den er mit angestoßen hat. Von den insgesamt 60 jungen Kandidaten wurden 21 gewählt - von Jugendlichen zwischen 14 und 20, die in Ludwigsburg leben oder zur Schule gehen. Die Jugendgemeinderäte sind im Gemeinderat zwar nicht stimmberechtigt, aber sie werden dort gehört und sind in bestimmten Beiräten dabei. „Dass wir in die öffentliche Debatte jugendrelevante Themen einbringen können, das ist wichtig“, findet Vithusan Vijayakumar. Den Jugendgemeinderat vergleicht er mit einer Art Gewerkschaft für junge Leute.

Die Erweiterung des Nachtbus-Netzes, der Ausbau von Radwegen, die Aufstellung einer für alle Schüler zugänglichen Kaffeemaschine im Campus Innenstadt, ein freies W-Lan Netz in der ganzen Innenstadt, die Benennung einer Schule nach Hans und Sophie Scholl – das Spektrum der Anliegen des Jugendgemeinderats ist groß. Von einem Alkoholverbot am Arsenalplatz hält der Vijayakumar  wenig: „Das würde das Problem nur auf einen anderen Ort verschieben, etwa die Bärenwiese.“

Dass die Miete für die Abibälle im Forum in den letzten Jahren so stark gestiegen ist, auch das ist ein Thema für Vithusan Vijayakumar. „Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie und weiß, dass nicht jede Familie für eine Karte 50 Euro auf den Tisch legen kann.“ Seine Eltern sind Tamilen und kamen als Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Deutschland. „Ich gehöre beiden Kulturen an“, sagt er. Und dass gehe nicht nur ihm so: „Es gibt so viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, die sich integrieren, aber auch die Kultur ihrer Eltern nicht aufgeben wollen. Das ist für jeden ein individueller Prozess“, darauf  legt der engagierte Student Wert.

Dass Kommunalpolitik auch mühsam sein kann und aus vielen kleinen Schritten besteht, das hat er ausgiebig bei der Standortdiskussion für die Kaffeemaschine erlebt. Frustriert hat es ihn nicht. Nur dass er sich nicht noch intensiver an Fachschaft der Uni engagieren kann, weil auch seine Tage nicht mehr als 24 Stunden haben,  das schmerzt Vithusan Vijayakumar ein wenig.

Text: Dorothee Schöpfer

Bilder: Benjamin Stollenberg